Die altehrwürdige Kapelle im Cellitinnen-Krankenhaus St. Marien hat eine Menge erlebt. Kaiserin Augusta, Ehefrau von Kaiser Wilhelm I., hat hier den Gottesdienst besucht. Zwei Weltkriege hat die Kapelle weitgehend unbeschadet überstanden, doch jetzt ist das Gebäude in die Jahre gekommen. Spuren der Zeit zeigten sich an Putz, Holzarbeiten und dem Boden. Zudem entsprachen Beleuchtung, Akustik und technische Infrastruktur nicht mehr den heutigen Anforderungen. Die Herausforderung bestand nun darin, die historische Substanz zu bewahren und gleichzeitig behutsam zu erneuern. Mit der nun abgeschlossenen Renovierung verbindet die Kapelle auf eindrucksvolle Weise das historische Andenken mit den Anforderungen des modernen Klinikbetriebs.
Kapelle mit Geschichte
Die Kapelle wurde erst 20 Jahre nach der Einweihung des Krankenhauses im Jahr 1883 durch die großzügige Spende der Kölner Eheleute Ossendorf, nach den Plänen des Architekten August Lang im Neugotischen Stil erbaut. Sie besteht aus einem Hauptschiff und zwei schmalen Seitenschiffen, die durch Säulenreihen aus Aachener Tuffstein voneinander getrennt sind. Die halbrunde Apsis bildet den Raumabschluss nach Westen zur Straße Unter Kahlenhausen. Von außen bildet die Kapelle einen auffälligen Kontrast zur schlichten Fassade des Krankenhauses, auf dessen schmuckloser Rückseite sie sich befindet.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Kapelle um eine Empore und eine Vorhalle erweitert. Aus dieser Zeit stammt auch die Klais-Orgel, eine von ganz wenigen Exemplaren, die im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurden. In den ersten Nachkriegsjahren nutzte die benachbarte Pfarrgemeinde St. Kunibert, deren Basilika im Krieg schwer getroffen wurde, die Kapelle für ihre Gottesdienste.
Fenster zu den Krankensälen
Die Kapelle aus dem späten 19. Jahrhundert stammt aus einer Zeit, in der christliche Krankenhäuser nicht nur Orte medizinischer Versorgung, sondern auch geistlicher Begleitung waren. Daher konnten die Fenster im rechten Seitenschiff ursprünglich zu den benachbarten Krankensälen hin geöffnet werden. So war es den Patientinnen und Patienten möglich, vom Krankenbett aus an den Gottesdiensten teilzunehmen. Im Zuge verschiedener Erweiterungen und Umbaumaßnahmen, befinden sich dort heute keine Krankenzimmer mehr und die Fenster lassen sich nicht mehr öffnen.
Renovierung unter Denkmalschutzauflagen
Seit Anfang des Jahres 2026 blieben auch die Türen der Kapelle vorübergehend verschlossen. Es gab keine Gottesdienste und keine Konzerte. Stattdessen hörte man Hämmern, Bohren, Klopfen und die Radio-Musik, mit der sich die Handwerker die Arbeit untermalten. Der gesamte Innenraum wurde zwei Monate lang eingerüstet, um die fast 10 Meter hohe Decke und die stuckverzierten Säulen erreichen zu können.
Finanzierung als Gemeinschaftsaufgabe
Neben den Handwerksarbeiten stellte auch die Finanzierung der Renovierung ein eigenes Großprojekt dar. Auf Initiative von Msgr. Pfr. Ulrich Hennes, als Leiter des Seelsorgeteams, wurden die Kosten am Ende gemeinschaftlich von mehreren Partnern getragen. Das Erzbistum Köln erklärte sich bereit, den Großteil der Kosten zu übernehmen, wenn für mindestens ein Drittel der Ausgaben weitere Unterstützer gefunden würden.
Das Krankenhaus, das die Kapelle als integralen Bestandteil des Hauses betrachtet, war sofort bereit, einen Beitrag zu leisten. Ebenso der Förderverein und zahlreiche Kirchengemeinden, private Spender und die Stiftung St. Marien-Hospital, die das Krankenhaus einst gegründet hat. Diese breite finanzielle Basis unterstreicht die Bedeutung der Kapelle als erhaltenswerten Ort und die gemeinsame Verantwortung für das kulturelle und spirituelle Erbe des Gebäudes. „Ohne das Zusammenwirken aller Beteiligten wäre eine derart aufwendige Renovierung kaum möglich gewesen“, so Jan Patrick Glöckner, Geschäftsführer des Cellitinnen-Krankenhauses St. Marien.
Haustechnik maßgeblich an Sanierung beteiligt
Nicht zuletzt hat das Krankenhaus zusätzlich Arbeitszeit der Haustechnik zur Verfügung gestellt. In Eigenleistung wurde die komplette Elektrik erneuert, neue Lampen mit LED-technik installiert und zahlreiche Kabel neu verlegt. Moderne Technik – etwa für Beleuchtung und Beschallung – wurde bewusst dezent integriert, um das Erscheinungsbild nicht zu beeinträchtigen. Eine Kamera, für die Übertragung der Gottesdienste in die Krankenzimmer in höchster HD-Qualität, war bereits im Vorfeld ausgetauscht worden. Die enge Führung aller beauftragten Handwerksbetriebe durch die Haustechnik erwies sich als entscheidender Erfolgsfaktor des gesamten Projektes.
Wiedereröffnung zum höchsten Christlichen Feiertag
Absolut im Zeitplan und pünktlich zum höchsten christlichen Feiertag konnte die Kapelle bereits kurz vor Ostern in Betrieb genommen werden. Jetzt erstrahlt das geschichtsträchtige Gebäude wieder im neuen Glanz. Die wöchentlichen Gottesdienste finden wieder statt und die abgeschliffenen und frisch lackierten Türen sind jederzeit für Patienten und Besucher geöffnet. Das Gebäude erfüllt wieder seinen Zweck als Ort der Stille, der Besinnung und des Trostes. Auch das Meditationssystem „Marius“ ist wieder installiert, so dass entspannende und beruhigende Auszeiten mit Musik genommen werden können.
